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Bäume

Alles ist mit allem verbunden. Wie macht man das sichtbar und erlebbar? Und was heißt das eigentlich? Weiß mein Kochtopf, was ich in ihm kochen will? Weiß mein Fußabtreter welche Füße sich an ihm abtreten? Weiß der Apfel, dass ich ihn jetzt essen werde? Weiß mein Kühlschrank, was sich in ihm befindet und reden die alle miteinander, tauschen sich aus? Soweit wollte ich noch nicht gehen.

In einem vor vielen Jahren veröffentlichten Buch, es hieß glaube ich „Das geheime Leben der Pflanzen“, hatte ich gelesen, dass Pflanzen sich alles merken. Der Autor war tätig an einem Lügendetektor - das ist ein Apparat, an den Delinquenten angeschlossen werden, um zu untersuchen, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht. Man ging davon aus, dass sich bei Lügen der Hautwiderstand messbar erhöht. An dieses Gerät hatte der Autor eine Pflanze angeschlossen. Als er dachte: „Jetzt werde ich ihr ein Blatt anbrennen“, sauste die Nadel sichtbar nach oben und hinterließ deutliche Spuren auf dem Papier. Die Pflanze hatte seine Gedanken verstanden und reagierte darauf.

Was mich besonders nachdenklich machte, war ein weiterer Versuch, bei dem einer seiner Kollegen eine ganze Pflanze abschnitt. Noch nach Tagen konnte sich die angeschlossene Pflanze an den „Mörder“ ihrer Kollegin erinnern und reagierte deutlich, wenn dieser Mann zur Tür herein kam. Seitdem rede ich sehr liebevoll mit meinen Pflanzen und sie danken es mir.

Ausgehend davon wurden Experimente gestartet. Ich erinnere mich an einen Versuch, den Frau Carstens in ihrer Zeitschrift veröffentlichte. Sie hatte Schrebergartenbesitzer gebeten zwei Beete anzulegen und sie mit Kohlrabi zu bepflanzen. Beide sollten gleich behandelt, bewässert und gedüngt werden. Doch nur einem Beet sollten die Gartenfreunde liebevolle Gedanken senden, die Beete rühmen, wie schön alles wächst. Immer wieder sollten sie mit ihnen konstruktiv sprechen, sich ihnen liebevoll zuwenden. Bei der Ernte wurde gewogen. Die gelobten Pflanzen hatten es den Menschen gedankt mit 28% mehr Gewicht.

Ein anderer Versuch von zwei Mädchen hier aus Schwäbisch Hall fiel durch. Sie hatten drei Pflanzen unterschiedlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die erste Pflanze wurde überschwänglich gelobt, wie schön sie sei und wie wunderbar sie wachse. Der zweiten Pflanze wurde keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, sie wurde nur gegossen wie die anderen auch. Die dritte Pflanze jedoch wurde beschimpft, wie hässlich und abstoßend sie sei, wie dürr, reizlos und ausgemergelt sie sei und das für Wochen. Das Ergebnis war eindrucksvoll und wurde hier in der Tageszeitung mit großen Bildern veröffentlicht. Nur bei der Kommission von „Jugend forscht“ fiel dieser Versuch durch. Da herrschte noch materielles Denken vor, von Getrenntsein und objektiver Betrachtung, ohne Einfluss der Psyche. Folglich wurde angemerkt: „Das könne nicht sein, in keinem Fall wäre das Denken Ursache für die Unterschiede, das wäre ganz ausgeschlossen“. Den jungen Damen wurde einfach nicht geglaubt.

Ob das heute anders wäre, ist fraglich. Denn machen wir uns einmal klar, was da passiert: Man hatte schon die Versuche im Buch „Das geheime Leben der Pflanzen“ nachgestellt und ist nie zu den gleichen Ergebnissen gekommen. Mich wundert das nicht. Wenn ich mit der Absicht den Versuch starte: "Ich werde den Versuch jetzt widerlegen, wir glauben das nicht!“, dann wird der Versuch sich genau in die Richtung entwickeln. Er wird negativ ausfallen, denn es wird die Absicht des Versuchsleitenden verwirklicht. Wie sagte schon Henry Ford? „Ob du glaubst, dass es dir gelingt, oder ob du glaubst, dass du scheiterst, du wirst immer Recht behalten“.

Eine Zwischenstufe zwischen den Positionen nimmt der Autor der Bücher über das geheime Leben des Waldes ein. Seitdem Peter Wohlleben seine Bücher veröffentlichte über die Kommunikation der Bäume und das Wissen darüber publik gemacht hat, halten es viel mehr Menschen für möglich, dass die Bäume miteinander kommunizieren, nur eben etwas anders, nämlich noch über die materielle Ebene mit Hilfe von Pilzen. Immerhin ist da schon eine Form der Kommunikation angesprochen.

Damals, Anfang der 90er Jahre, als ich versuchte meinen Gedanken durch Objekte Gestalt zu geben, gab es das alles noch nicht. Ich ging jedoch davon aus, dass ein riesiges Netz von Kraftfeldern existiert und die so fest und solide erscheinenden Formen der Materie auch nur aus Energie bestehen. In einem Atom vergrößert auf den Petersdom wäre der Atomkern so groß wie ein Salzkorn, die ihn umkreisenden Elektronen so groß wie Staubteilchen, die in der Sonne glitzern, aber mit ungeheurer Geschwindigkeit den Raum füllen. Alles ist nur Energie und Energie ist verbunden. Für mich schien es nicht abwegig, dass in dieser Verbundenheit alles um alles weiß.

Auch Bäume wissen umeinander, ganz egal wie man sich diese Kommunikation vorstellt. Der Zeit ein bisschen voraus hatte ich schon 1993 eine Installation geschaffen, die diese Kommunikation auf andere Weise zum Ausdruck bringt. Meine Bäume telefonieren miteinander. Sie wurden in der Ausstellung „KunstRegionBahn 2000“ im Heilbronner Bahnhof gezeigt.

Was damals kaum verstanden wurde, erhält heute durch Wohlleben, wie auch dem neuesten Trend, dem „Waldbaden“, Aktualität. Hierbei wird die Stille des Waldes genutzt und auch die saubere Luft, angereichert durch Harze, die den Bäumen entströmen oder im Buchenwald dem vielen Sauerstoff, der von den Milliarden Blättern erzeugt wird. Beides dient der Gesundheit, denn nur in der Stille und der Entspannung ist der Körper in der Lage sich zu regenerieren, sich zu erneuern und zu verjüngen. Dazu braucht er genügend Sauerstoff. Deshalb ist „Waldbaden“ so gesund.

Da die Pflanzen offenbar unsere Gedanken verstehen und darauf reagieren, ist es nicht egal mit welchen Gedanken ich mich im Wald aufhalte. Kürzlich traf ich eine Gruppe Bogenschützen, die auf Plastiktiere schossen. Ob die Bäume wissen, dass die Tiere aus Plastik sind oder müssen sie Angst haben auch „ermordet“ zu werden? Man könnte auch neutrale Scheiben nehmen. Das nur als Anregung. Ich wandere lieber ohne Bogen mit einem Gefühl der Dankbarkeit durch den Wald, dankbar für den Sauerstoff, dankbar für die Kühle an heißen Hochsommertagen und dankbar immer wieder für die Stille. Nur die äußere Stille kann die innere Stille in uns anregen.


 


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