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Wolfgang Bier ist seiner Zeit weit voraus.

Wie viele große Künstler ist auch Wolfgang Bier seiner Zeit weit voraus. Noch nicht viele Menschen sind bereit, das zu akzeptieren, was uns Bier deutlich machen will. Ich sehe ihn in der Größenordnung von Goya mit seinen Radierungen von angstauslösenden Traumbildern, die im Kopf des Schläfers ablaufen. Auch Bier macht uns mit seinen Köpfen deutlich, dass die Ursachen in uns liegen, dass Gewalt in den Köpfen der Menschen vorbereitet wird als Gedanken und Vorstellungen von Gewalt. Er hatte im Berlin der 68er Jahre genau beobachtet, was Worte auslösen können und wie sie in Gewalt umschlagen. Er drückte das künstlerisch zunächst dadurch aus, dass er in einen großen Kopf statt eines Mundes einen Geschützlauf einschweißte. Etwas kleiner machte er deutlich, dass er Äußerungen als tödlich verletzend empfindet, indem er einen Pistolenlauf in einen Mund einschweißt. Später öffnet er die Köpfe, um zu zeigen, was in den Köpfen von Menschen abläuft. So baute er in einen offenen Schädel Kanonengeschosse ein, um den Krieg deutlich zu machen, der sich in vielen Köpfen abspielt. Das ist als Hinweis gedacht, und dieses Objekt steht im Firmengelände der Firma Würth in Gaisbach genau richtig. Es warnt die Mitarbeiter täglich davor, Intrigen anzuzetteln, zu mobben oder neidisch auf andere zu sein.

Als sehr feinfühligem Menschen ging es Bier speziell um diese alltägliche subtile Gewalt, die wir im allgemeinen noch nicht einmal als Gewalt ansehen. Doch wie verletzend sie sein kann, machte er in Arbeiten sichtbar, wo die Haut verletzt ist, der Rücken aus Leder deutliche Narben aufweist. Auch seine Köpfe schützen sich zunehmend mit Helmen, um die Ambivalenz zwischen Aggression und Angst aufzuzeigen. So zeigt auch der Kopf vor dem Rathaus hier in Schwäbisch Hall einerseits einen Helm für den Schutz, aber auch eine scharfe Klinge für den Angriff. Bei uns heute zeigt sich diese Ambivalenz dadurch, dass wir Sicherheitsvorrichtungen in Häusern einbauen, aber gleichzeitig für Krimis schwärmen.

So wie Goya die Angst aufzeigt, weist uns Bier auf kränkende Worte hin durch ein Messer, das dem Mund entspringt, oder durch einen Sensenarm, der die Meinung anderer einfach wegmäht. Haben wir nicht auch schon alle den Schmerz erlebt, der durch eine verachtende, ablehnende Haltung eines anderen Menschen in uns ausgelöst wird? Auch diese subtile Gewalt drückt Bier sehr deutlich aus, indem er ganze Figuren als schneidend darstellt. Er macht uns mit allen seinen Arbeiten etwas deutlich, was wir in uns nicht wahr haben wollen und lieber auf andere projizieren. Der Andere ist schuld, der sollte sich ändern. Erst allmählich wächst das Verständnis für die Zusammenhänge, und erst wenige von uns akzeptieren, dass sie damit zu tun haben.

Bier war seiner Zeit weit voraus. Seine Suche wird mit den Jahren immer subtiler. In seinen Papierarbeiten sucht er Schicht für Schicht, was in den Köpfen vorgeht. Seine Krankheit zwingt ihn dazu, auch in seinem Kopf nach Ursachen zu suchen, denn sagt nicht schon Aristoteles: „Wenn du die Welt verändern willst, musst du bei DIR selber anfangen“. So ist auch der Kopf auf der Henkersbrücke eine ständige Aufforderung an die Passanten, sich einmal kurz zu besinnen und zu prüfen, welche Art von Gedanken sich gerade in ihrem Kopf befinden, kriegerische oder liebevoll friedliche. Letztere erschaffen ein friedvolles Umfeld, anders geht es nicht.


 

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