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Frida Kahlo und die Spiritualität

Frida Kahlo, Mexikanerin mit deutschen Wurzeln - ihr Vater stammt aus Pforzheim - wächst mit dem ganzheitlichen Ansatz Mexikos auf. Der Mensch ist nach mexikanischem Denken ein Teil der Natur und nicht die Krönung der Schöpfung, der die Erde ausbeutet. Mexikaner anerkennen die Verwobenheit zwischen Mensch und Natur. Sie gehen davon aus, dass Mensch, Tier und Pflanzen sich gegenseitig beeinflussen. Zudem trennen sie nicht so stark zwischen sichtbarem Materiellem und dem Unsichtbaren. 

So findet sich bei Frida Kahlo die Sepia-Zeichnung einer Landschaft, in die sie Teile des Menschen einarbeitet. Es tauchen weibliche Brüste wie Berge auf, eine Hand, ein Auge und das Zeichen des Yin und Yang, das Zeichen der Ganzheitlichkeit des Buddhismus.

Die Zeichnung "Dharma Chakra" zeigt die Verwobenheit des Menschen untereinander, die Verwobenheit vielleicht auch von Zeit oder vielmehr Zeitlosigkeit. Wie ich in meinem Buch "Das Innen bestimmt das Außen" beschreibe, speichert der Körper alle Erlebnisse des Lebens in Muskeln und Organen. Frida Kahlo macht das deutlich durch Gesichter, die sie in die Körperteile hinein zeichnet. Deutlich ist ein Bein, aus dem diverse Gesichter heraus schauen oder ein Oberkörper, der verschlungen ist in diverse Erfahrungen. Dass sie weiß, worum es geht, kann man an dem Rad mit acht Speichen erkennen, das der Zeichnung ihren Namen gibt. Es ist das Symbol des achtfachen buddhistischen Erlösungsweges, mit dem die im Körper gespeicherten Erfahrungen bewusst gemacht und vergeben werden können.

Das Bild "Blume des Lebens" zeigt Kahlos Auffassung von Lebenskraft, eine vor Kraft sprühende Blüte, mit Tuben ähnlichen Blättern zur Aufnahme neuen Lebens. Das Ganze wird unterstrichen durch einen Blitz am Himmel ähnlich den Blitzen, die Göttervater Zeus in den Händen hält.

Frida Kahlo erlitt als Siebzehnjährige einen Unfall, durch den sie jahrelang das Bett hüten musste. Dieser sehr leidvolle Lebensweg zwingt dazu, Fragen zu stellen nach dem Sinn des Ganzen. Es führt im günstigsten Fall zu einem tiefen Vertrauen in die Schicksalhaftigkeit und in den Urgrund allen Seins. Kahlo weiß sich umarmt von der Kraft des Universums, die in allen Religionen unterschiedlich benannt wird, Gott, Jahwe, Allah, Brahman, Tao oder der Heilige Wind. Sie weiß sich umarmt vom Göttlichen, das jeglicher materiellen Existenz zugrunde liegt. Da diese Kraft nicht personifiziert werden sollte, malt sie nur andeutungsweise ein Gesicht in den Wolken, aber mit leeren Augen.

Sie weiß, dass diese Kraft unausgesetzt auf die Erde einwirkt und zusammen mit der Sonne das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen bewirkt. So malt sie eine nährende, braune Erde mit den Pflanzen, von denen Mensch und Tier leben. Sie malt sich als Symbol für den unerlösten Menschen weinend und mit blutendem Herzen. Und sie malt den erlösten Menschen, der wieder zum Kind geworden ist.

"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...", heißt es im christlichen Buch der Bücher. Gemeint ist, dass der Mensch kindlich - nicht kindisch - werden sollte. Ein Kind kennt keine Zeit, es denkt nicht, sondern ist absorbiert vom jetzigen Moment, in dem es handelt. Ein Kind urteilt nicht, es wertet nicht, es ist neugierig und geht offen und arglos auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu. Ein Kind liebt einfach alles, was um es herum ist. Wenn ein Mensch es schafft, wieder so zu werden - den Buddhisten dient dazu der achtfache Pfad, uns Christen die Hinwendung nach innen, die Contemplation - dann strömt die Herzensliebe. Zudem öffnet sich das dritte Auge, mit dem man die Welt dann so sehen kann wie sie wirklich ist, eine Welt aus gesponnenem Licht.

Mexikaner haben es in gewisser Hinsicht einfacher, denn bei ihnen ist die Trennung zwischen der materiellen und der immateriellen Welt nicht so strikt, wie bei uns Deutschen. Dieser ganzheitliche Ansatz zeigt sich besonders zwischen Lebenden und Toten. Für die Mexikaner leben die Toten lediglich auf einer unsichtbaren Parallel-Welt, nicht weit von der unsrigen entfernt. Sie glauben, dass die Seelen der Toten einmal im Jahr zurückkommen, um ihre Angehörigen zu besuchen. Der Totenschädel aus Zuckerguss soll diese Rückkehr erleichtern. Sie richten ihren Toten an Allerheiligen ein Fest aus, kochen ihre Lieblingsspeisen und feiern mit ihnen auf den Gräbern. Diese Auffassung macht es grundsätzlich leichter spirituelle Zusammenhänge zu begreifen.


 

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